Ben Waters Boogie Band 1999 Affalter
Bericht aus der "Freien Presse" (Ausgabe Aue) vom 13.09.99

Bitte mal den Saxophonisten ...
Ben Waters und Wednesday Night Fever beim Livemusik-Verein in der "Linde"

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AFFALTER (STh). Ben Waters hat's im Knie. Also nicht das Reißen, er ist ja erst Mitte Zwanzig. Aber das Gelenk zuckt unablässig, und dann stößt es an den wackligen Turm und lässt selbigen in eine Schieflage geraten, die doch recht bedenklich ist.
Die schätzungsweise 100 Gäste beim Konzert des Vereines Live-Music Affalter in der "Linde" machen an diesem Freitagabend große Augen, als das Piano zu kippen droht. Das Instrument schwankt auf einer umgedehten Kiste und seiner eigenen Verpackung und zittert leicht unter den Fingern von Boogie-Pianist Ben Waters. Beim ersten Mal erschrecken sich die Zuhörer noch heftig, beim zweiten Mal schon weniger, später lächeln die meisten. Dann allerdings gerät das Piano tatsächlich ins Rutschen, und es klimpert missmutig, als es der junge Musiker mit einem hektischen Griff auf die Tasten vorm Absturz bewahrt.
Der Pianist grinst übers ganze runde Gesicht. So etwas macht ihm Spaß und dem Publikum auch. Der junge Mann zählt zu den neuen Lieblingen der Boogie-Szene, und das weiß er auch. Aber wahrscheinlich ist es ihm ebenso egal wie - sagen wir mal - seine Frisur. Er spielt schnell und im Gegensatz zu manchem Kollegen ohne künstlerische Schnörkel. Genau das kommt bei seinem Publikum in Affalter an. Schon beim ersten Titel geht das Gezappel auf den Stehplätzen los. Ein paar Takte mehr, und die tänzerische Unruhe überträgt sich auf die Sitzenden. "Wer zuerst tanzt, bekommt eine CD von mir", lockt der Brite die Erzgebirger. Aber vergebens. Die Leute vergnügen sich lieber mit Zuhören.
Ben Waters spielt ungestüm. Manchmal macht er die Finger lang. Das sieht so aus, als würde er eine Schüssel Spaghetti mit Soße vermischen. Dann wieder piekst er fast ungelenk mit zwei Fingern auf die Tasten, als würde er Schreibmaschine schreiben. Und schließlich kippt er sein Piano mit den Knien an und tut so, als wäre er Jimi Hendrix oder sonst wer.
Klar, dass er und seine zwei Begleitmusiker nicht ohne Zugabe von der Bühne kommen. Die drei machen auch nicht den Eindruck, als wollten sie schon schlafen gehen. "Wo ist der Saxophonist ", fragt Ben Waters in die Runde. Da kommt Unruhe auf - dort, wo die Vorband sich versammelt hat. Die Zwönitzer Combo Wednesday Night Fever hatte das Publikum am frühen Abend mit souligen Rhythmen ertolgreich auf Waters vorbereitet, und nun wollen sie selbst die Musik genießen. Aber wer kann dem Ruf dieses Pianisten schon widerstehen. Der Saxophonist jedenfalls will es nicht - er hält mit rein. Da bekommen die Songs von Little Richard eine ganz eigene Note, und das Publikum kriegt den großen Musikrausch. Nur tanzen will immer noch keiner. Naja, dann behält Ben Waters seine CD eben und versucht es beim nächsten Mal wieder. Und das geht schneller als man denkt, denn schon am Donnerstag begleitet er Chris Jagger ins Zwönitzer Musikcafe "Heartbeat".

Waters-Hände