Salzmarkt Lößnitz 1999
Bericht aus der "Freien Presse" (Ausgabe Aue) vom 29.06.99

Muhme versinkt im Mittelalter
Buntes Spektakel beim Kostümspiel zum zweiten Salzmarkt - Ausflug in die Geschichte der Stadt

Salzmarkt 1999 Von Katarina Kartach

LÖSSNITZ. Am Sonntag zeigte sich Lößnitz zum zweiten Salzmarkt von der mittelalterlichen Seite. Tausende Bürger aus nah und fern bereiteten dem Salzzug einen würdigen Empfang. Trommler und Herolde vom Reitverein Lößnitz führten den Troß an, der Säcke des kostbaren Minerales auf einem Fuhrwerk über den Preßnitzpaß transportierte.
Umjubelt wurde Salinenbesitzerin Steffi Rathe, Vorsitzende des Heimatvereines: Sie hatte mit zwei echten Halloren aus der Salzwirker-Bruderschaft Halle den Weg angetreten, um Salz in die Muhme zu schaffen. Bauern mit ihren Fuhrwerken, edle Knappen, Saumferde, auch Mönche, dargestellt von der Jungen Gemeinde, und der Brauereiwagen passierten wohlbehalten die von der Bürgerwehr (Freiwillige Feuerwehr) bewachten Stadttore.
Damit die Menschen wachsen und gedeihen, opferte sich Bürgermeister Gotthard Troll, um das Salz der Salinenbesitzerin zu probieren, denn, wenn er schlechtes Salz einkaufte, hätte er ein arges Leben vor sich. Doch es war vorzüglich. So wurde schnell ein gestandenes Mannsbild ausgesucht und auf der Salzwaage gewogen. Der Müllermeister Hermann Schroth brachte Stolze 150 Kilogramm auf die Waage. Hatte da nicht ein Stadtknecht seinen Fuß darauf gestellt? So bat die Salinenbesitzerin noch einen "Hergeloffnen", auf die Waage zu steigen. "Nun stellt 280 Kilo Salz für unsere schöne Stadt bereit", frohlockte der Bürgermeister und versprach, das Salz auch als Almosen an die Armen zu verteilen. Da überbrachte der Männerchor "Liederhain" ein Ständchen.
Trotz heftiger Regenschauer wagten sich die Mitglieder des Lößitzer Heimatvereines auf die Festbühne, um die wartende Menge ins Jahr 1633 zu versetzen. Da rutschte zum Markttag Bürgermeister Joachim Winter ein Ei aus der Hand. Welch' große Tragödie! Bürgerin Kerstin Viehweg und Händler Bernd Neubert waren untröstlich. Zuerst versuchte Bäuerin Steffi Rathe zwar einen Steuererlaß zu erwirken, doch dann schenkte sie dem armen Bürgermeister noch ein Ei. Schließlich hatte der doch schon die Post auf dem Markt räumen lassen, um darin Salz lagern zu können. Als das Stadtoberhaupt dem Bettler Bernd Seidel sein Ei schenkte, nahmen ihm böse Buben - die Jungen des Heimatvereines - das Ei ab und bewarfen damit die Hulda (Gisela Förster), weil sie ihren Mann verprügelt hatte. Dabei bekamen die Zuschauer einiges mit ab, doch glücklicherweise landete der größte Teil davon auf den Regenschirmen. Erst Schmied Werner Naumann sorgte für Ordnung, und Pfarrer Harald Damm versprach, die Burschen zu strafen, aber nur in Maßen.
Nach einer kurzen Pause, in der Marketenderinnen für 20 Groschen zum Original Lößnitzer Miriquidi einluden, befiel noch im selben Jahr die Pest die Stadt. Chronist Gotthelf Friedrich Oesfeld (Gerhard Troll) erinnerte daran, daß bereits 1617 die halbe Stadt durch dieses Unglück dahingerafft wurde. Der Magister führte meisterhaft durch das gesamte Spektakel, das stundenlang den Markt und seine Seitenstraßen in mittelalterliches Flair tauchte.
Da lieferten sich Ritter Schaukämpfe, wanderten Minnesänger umher und spielten holde Fräuleins ihre Instrumente. Auch Händler und Handwerksmeister aller Zünfte hatten ihre Stände aufgebaut. So konnten die Zuschauer auch ein zünftiges Handeln mit Bauern aus Dittersdorf, Affalter und Alberoda erleben. Dabei feilschten die Händler aus Alberoda am längsten. Dorfältester Bauer Paul Harnisch hatte gleich seine ganze Familie und sämtliche Tieren mitgebracht. Bekam er zuerst nur fünf Tüten von der Krämerin für den Kopf seiner Ziege geboten, die ja eigentlich nur das Euter für Ziegenkäse haben wollte, tauschte er zum Schluß die Ziege gegen einen großen Sack des kostbaren Salzes und bekam noch gelbe Eier dazu.
"Handel und Wandel bringen Segen in jeden Ort", sagte Magister Oesfeld. Deshalb hatte Gerhard Troll in den Geschäften schon Tage zuvor einen Weisheitsspruch verteilt: "Kaufen Sie in dieser Stadt, damit Lößnitz eine Zukunft hat." So haben sich die Lößnitzer vorgenommen, ihren Markt und damit die Innenstadt wieder zu beleben. Zum nächsten Salzfest schlagen jedoch einige Leute vor, die Bühne zwecks besserer Einsicht nach unten zu verlegen. Denn viele konnten durch das Gedränge das herrliche Kostümspiel nur mit den Ohren verfolgen.

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