Perfect
Bericht aus der "Freien Presse" (Ausgabe Aue) vom 03.04.2000

Singende, springende Rocker
"Perfect" bringen die Stimmung im Zwönitzer "Heartbeat" zum Kochen
Perfect ZWÖNITZ (ane). Was würde wohl passieren, wenn sich gleich drei perfekte Musiker aus verschiedenen Ländern Europas in Zwönitz die Ehre geben? Eine mögliche Antwort auf diese Frage hatte am Sonnabend die dreiköpfige Gruppe "Perfect" im Gepäck. Denn die Gäste im Musikcafe "Heartbeat" bekamen einen musikalischen Leckerbissen verabreicht, der nicht nur die Ohren verwöhnte, sondern Vielen unaufhaltsam bis in die Beine rutschte. Ein Mix aus irischer, deutscher und bosnischer Mentalität erfüllte den Raum und war nicht zuletzt in der Musik wiederzufinden.
Jamie Clark presste die Lippen fest an das Mikro, grinste noch einmal kurz in die Runde seiner Bandkollegen, und schon legten die Punkrocker mit deftigen Rhythmen los. Es war wohl nicht allein ihr melodischer Irish Folk, sondem auch ihre Bühnenshow, die das Publikum zu Begeisterungs-Stürmen antrieb. Die kleine Plattform im Musikcafe bebte, und viele Zuschauer zog es von den Barhockern herunter vor die Bühne, wo sie das bunte Treiben der Männer von "Perfect" hautnah miterlebten. Bald wirbelte Schlagzeuger Jochen Ritter um die eigene Achse, und der Akkordeonspieler Pedja Zaric entlockte seiner schneeweißen Quetsche eingängige Melodien. Dabei bewies er, wie viel Bewegung auf einem Barhocker möglich ist. Manchmal machte er den Eindruck, am liebsten aufspringen zu wollen und die ganze Freude an dem, was er da spielte, 'rauszulassen. Die Instrumente der restlichen Bandmitglieder ließen da mehr Spielraum. Angeschwollene Adern zeichneten sich am Hals von Jamie Clark ab, und der Schweiß rann ihm die Stirn hinunter, als er mit seiner verrauchten Stimme fragte: "Can you hear it?"
Das Publikum schien es nicht nur zu hören, sondern irgendwie auch zu fühlen. Es lachte, tanzte und sang stellenweise sogar mit, was der ehemalige Gitarrist der "Pogues" vorgegeben hatte. Plötzlich - mitten in einem Stück ihres neuen Albums "Sickly Men Of Thirty Or So ..." - verstummten die Gitarrenklänge, der Sänger setzte sich gemütlich nieder, griff nach einer Flasche Wasser, trank daraus und schaute erwartungsvoll in den Halbkreis vor der Bühne. Ganz so, als wolle er prüfen, ob auch alle richtig hingehört hatten. Zugegeben: Der Text war nicht sehr schwer. Mit ein paar grölenden "La, la, hey"-Einlagen aus der Menge, die offensichtlich sehr gut aufgepasst hatte, war er's auch zufrieden und ergriff grinsend sein Mikrofon.
"Die Musik geht voll los. Gestern haben die Drei in Brandenburg spielt. Ich hab' gehört, die spielen das letzte Lied im Liegen", freute sich Michael Köhler. Doch bis "Perfect" die Bühne verließ, musizierte und feierte die Band nach irischer Art, und man spürte: Der Funke war übergesprungen, die Gäste ließen sich von der rockigen Musik gnadenlos anstecken. Ganz verrückt wurde es beim letzten Stück, denn die Männer brachten es tatsächlich fertig, auf der kleinen Bühne die richtigen Töne liegend zu treffen. Wie Maikäfer zappelten sie auf dem Rücken, strampelten mit den Beinen, und Jochen Ritter knallte die Sticks von unten an das Schlagzeug. Die Leute im knackvollen "Heartbeat" tobten. Spätestens jetzt war auch dem Letzten klar, was passiert, wenn die aufgeweckten Kerle von "Perfect" in Zwönitz einschlagen.