Messias-Aufführung 1996 Zschorlau
Bericht aus der "Auer Zeitung" 02.12.96

Großes "Halleluja" im Beifallssturm
"Messias"-Variationen mit Auer Orchester, "Swinging Voices" und Solisten begeistern junges und älteres Publikum

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ZSCHORLAU (PAU). Sie waren unruhig und später laut vor Begeisterung, die etwa 650 Musikhungrigen, die am Freitagabend die Sport- und Spielhalle Zschorlaus füllten. Der satte Sound des Pop-Symphonic-Ensembles hatte sie in ihren Bann gezogen.
Der "Messias" von Händel stand auf dem Programm, anders, als man ihn gewohnt ist. Und das Erzgebirgische Sinfonieorchester Aue spielte ihn unter Leitung des Berliner Dirigenten Bernd Wefelmeyer mit dem Chor "Swinging Voices" und den Solisten Anke Lautenbach, Mike Kilian und Eva-Maria Pieckert.
Farbenstarke Lichteffekte steigerten die Aufgeregtheit. Gleich zu Beginn trat das Erzgebirgische Sinfonieorchester als "Vorgruppe" auf und spielte eine zügige Version von Händels "Feuerwerksmusik". Danach ließ Chefdirigent Reinhardt Naumann den Berliner Arrangeur, Komponisten und Dirigenten Bernd Wefelmeyer auf seinen Arbeitsplatz. Neben dem Auer Klangkörper stand ihm auch eine vierköpfige Band des Filmorchesters Babelsberg zur Seite.
Das fast dreistündige Original von Händels Oratorium "Der Messias" ist für viele Hörer ein schwer verdaulicher Brocken, Die Pops-Version Version konnte deshalb "Barockmusikmuffel" an das Werk heranführen. Mancher, heute jugendliche Fan wird sich vielleicht spätes das Händelsche Original anhören.
Wefelmeyer verwässert in seiner "Messias"-Adaption die Intentionen Händels nie, hebt sie nur ins klanglich Knallbunte, rhythmisch Befeuernde und ins Monumentale a la Hollywood. Nicht leisten konnte solchen Ton die "Swinging Voices", die sich mit seinem raunenden Background oft zu sehr im Hintergrund hielten. Dafür waren die Solisten präsenter, allen voran Jazzsängerin Anke Lautenbach mit gewaltiger musicaltauglicher Röhre.
Leider wurde in der "Messias"-Originalsprache Englisch gesungen. Und es gab auch keine Hinweise auf den Inhalt der Ausschnitte. Das minderte die Wirkung des Ganzen aber nicht wesentlich.
Anke Lautenbach sang sich die Seele aus dem Leib mit dem Rezitativ "Tröstet mein Volk, tröstet es". Der sich meist still und ernst gebende Mike Kilian, einst Frontmann von "Rockhaus", wagte sich neben die Jazzerin in der im Original als Chorszene angelegten "Denn es ist uns ein Kind geboren". Zwar hat Kilian nicht die Intonationssicherheit Lautenbachs, aber Stimme, Ausdrück und Ausstrahlung. Und an dieser Stelle wurde deutlich: Händel hat im "Messias" gleich eine ganze Serie Welthits gelandet."
Schlagersängerin Eva-Maria Pieckert hatte es schwer, sich mit ihrer kleinen Stimme in dem klangmächtigen Umfeld zu behaupten. Trotzdem: Innig sang sie mit Rocker Mike Kilian das herrliche Duett "Er weidet seine Herde wie ein Hirte und sammelt die Lämmer gar sanft in seinen Arm". Der "Halleluja"-Chor schließlich, motorisch wild inszeniert, riß die Leute von den Sitzen und ließ sie Zugaben fordern.
Vor dem Höhepunkt der "Messias"-Variationen sorgte ein rockiger Programmabschnitt für Stimmung. Wefelmeyer, der gelenkige ältere Herr, setzte mit sicheren Gesten die große Musikmaschine zum Gospel-Medley "Glory Halleluja" in Bewegung. Das erzeugte Unruhe. Mike Kilian intonierte den McCartney Song "Yesterday" so hingebungsvoll, als hätte er ihn soeben erfunden. Dafür gab es Beifall und anerkennende Pfiffe.
Als sich die Konzertbesucher schließlich widerwillig von ihren Plätzen erhoben, hörte man überall zustimmende Worte. Erwachsene, Jugendliche und Kinder waren sich einig: So etwas wollen wir wieder hören.