Walpurgisfeuer 1999 Schneeberg
Bericht aus der "Freien Presse" (Ausgabe Aue) vom 03.05.99

Hexentanz teuflisch gut
Walpurgisfest in Neustädtel mal anders als anderswo: Elvis Presley wird reanimiert

Bild Von Lars Rosenkranz

SCHNEEBERG. Gegen die göttliche Regel, daß vorm Erfolg der Schweiß fließen muß, sind auch Hexen und Furien machtlos. So blieb ihnen, die sich am Freitag abend in Scharen versammelt hatten, um das große Fegefeuer zu bejubeln, keine andere Wahl, als die Besen zu starten und zum großen Walpurgisflug über den Gleesberg auszuschwärmen. Vorher nämlich blieb die Macht der Flammen gezügelt - nur ein kleiner Scheiterhaufen brannte zaghaft im Schatten des großen, den man auf dem Hang unter der Gleesbergstraße aufgeschichtet hatte und der erst mit Beginn der Nacht seinen grandiosen Glutschein bis hinüber zu Sankt Wolfgang schicken sollte.
Das Lager rings ums geplante Feuer bestand ferner aus einem Bierzelt, einem Rosterstand, einer Losbude, einem Kinderkarussell und einer Bühne. Drumherum verliefen Zaunsfelder - das Areal war abgesperrt. Wer hinein wollte, der mußte zunächst seinen Obolus in Höhe von fünf Mark entrichten.
Die Walpurgisfete in Neustädtel verlief etwas anders als die Hexenfeier in den Orten ringsum. War nämlich nichts mit Fackelzug und brandroter Feuerwehrperade. Statt dessen erspähte man schwarzgekleidete Sicherheitsposten, die meisten davon infolge Muskeltrainings doppelt mannsbreit und mit martialischem Gesichtsausdruck - für den Fall der Fälle...
Hand anlegen mußten die Jungs glücklicherweise nirgendwo, nur so mancher der Besucher wurde am Einlaß einer Leibes- und Gepäckvisitation unterzogen. Auch das unterschied die Veranstaltung von den anderen Festen: Getränke und feuergefährliche Sachen mußten diesmal draußen bleiben. Sie waren auch unnötig. Denn den Durst löschen konnte man im Bierzelt, und eingeheizt wurde mit hereinbrechender Dunkelheit auch von zwei Seiten, wenn man so will: Einmal loderten ab 21.30 die Flammen am Holzstapel empor, zum anderen stießen die Ska-Musiker der Halberstädter Band "Tschiggedab" fast zur gleichen Zeit ins Horn, will heißen: ins Saxophon und in die Trompete.
Die Anhaltiner lösten zwei Studenten der "Angewandten Kunst" Schneeberg ab, die sich bis dahin als Alleinunterhalter um die vielen kleinen Hexen gekümmert hatten und mit zahlreichen Besenritten die Erwachsenenwelt durcheinanderwirbelten.
Zu vorgerückter Stunde wurde dann schließlich noch Elvis Presley reanimiert, der die Glut der Walpurgisnacht mit rockigen Fetzern bis zum Ende schürte.