Fil Campbell 2.12.1999
Musikcafe "Heartbeat" Zwönitz

Bericht aus der "Freien Presse" (Ausgabe Stollberg) vom 09.12.1999

Gefühlvolle Lieder
Fil Campbell startet umjubelte Tournee in Zwönitz

ZWÖNlTZ (KL.) Das Lied ist ein Jahr alt, und schon hat es an Aktualität eingebüßt. Fil Campbell singt es trotzdem, gleich zu Beginn. Vielleicht, weil es soviel ausdrückt von einem langen schwierigen Prozess. Einen politischen, den ihre Landsleute durchlebten. "Nie hätten wir gedacht, dass wir eine eigene Regierung haben würden", sagt sie zu Ihrem Publikum. Und breitet die Hände aus, als wolle sie die Unglaublichkeit unterstreichen und dabei scheinen ihre Augen noch größer zu werden.
Fil Campbell kommt aus Nordirland.Sie gilt als Star des nordirischen "New Folk", einer Mischung aus Folk, Rock und viel Gefühl. Die kleine Frau betrat mit ihrer Gitarre in der Hand zusammen mit Ehemann Tom McFarland (Schlagwerk und Gesang) und Christy McGuigan (Gitarre und Gesang) am Donnerstagabend die Bühne im Zwönitzer Musikcafe " Heartbeat". Es ist der Startschuss für ihre derzeitige Tournee. Ein sehr guter Start, wie die Musiker selbst bemerkten. Denn viele wollen hier die Nordirin erleben. Das "Heartbeat" ist propevoll. Siegfried Drechsel, einer der Betreiber des Cafes, damit beschäftigt, zusätzliche Tische und Stühle ins Haus zu schleppen.
Fil Campbell verlässt politische Themen, singt von der Liebe und von ihren Träumen. Ihre Stimme, eine einzigartige Mischung aus Kraft und Zartheit mit einem leichten rauchigen Unterton, setzt sie behutsam ein. Leise und gefühlvoll versteht sie sich zurückzunehmen. In Einklang mit dem Gitarrenspiel und mit den Trommeln, Rasseln und Klangstäben. Beinahe etwas Mystisches hat es, wenn der beruhigend wirkende gleichbleibende Rhytmus die Songs langsam vorantreibt, die Melodie sich wiederholt, die Gitarren aussetzen, nur noch Trommelschläge erklingen mit dieser einzigartigen Stimme dazu. Die sich manchmal in höhere Tonlagen schwingt, davon zu fliegen scheint. Vielleicht über die grünen Wolken ihrer Heimat, begleitet von leichtem Regen aus dunklen Wolken. Wenn man die Augen schließt.
Bis Mitte Dezember touren die Musiker durch Deutschland, dann durch Niederlande. Weihnachten werden sie zu Hause verbringen. Für das neue Jahr hat sich die Sängerin viel vorgenommen: neue Single, neue CD, eine alte CD neu aufgepeppt sollen erscheinen. "Es ist Arbeit, die Spaß macht. Musik ist mein Leben" schwärmt sie. Schon mit vier Jahren stand sie zum ersten Mal auf der Bühne.
Einer der letzten Songs in Zwönitz ist anders als die anderen zuvor. Schneller geht der Rhythmus, das Publikum klatscht mit, singt. Immer und immer wieder wird der Refrain wiederholt. Solche Melodien sind Nährboden für Glückshormone. Und für Zugabe-Rufe. Die Sängerin mit der Lockenmähne nutzt den Moment, um auf Weihnachten einzustimmen. Im mit Lichterketten geschmückten Zwönitz, was ihr so gut gelällt. Sie singt John Lennons Weihnachtslied, voller Gefühl, Hingabe, ohne nur annähernd kitschig zu wirken. Als sie schließlich eine Strophe von "Stille Nacht, heilige Nacht" in deutscher Sprache wiedergibt, ist das Publikum vollends hin und weg. Und entlässt die Sängerin nach über zwei Stunden mit tosendem Beifall.
Fil Campbell

Fotos:
Michael Köhler
Zwönitz

Fil Campbell
Tom McFarland
Christy McGuigan
Tom McFarland, Fil Campbell und Christy McGuigan

Tom McFarland, Fil Campbell und Christy McGuigan