Bergmännische Musiktage 1995
Bericht aus der "Freien Presse" (Ausgabe Aue) vom 11.09.95

Vom Regen in die Johanniskirche
Abendserenade der Bergmännischen Musiktage mit großem musikalischen Aufgebot - Matko würdigt Traditionen

Bild LÖSSNITZ (Spi). Eine ausgezeichnete Akustik bot am Freitagabend die Lößnitzer Johanniskirche für das Eröffnungskonzert der Bergmännischen Musiktage, das aufgrund des regnerischen Wetters nach innen verlegt wurde. Die kurze Moderation von Erich Mehlhorn machte mit den Mitwirkenden und ihrem musikalischen Angebot der Abendserenade bekannt und überließ die Zuhörer völlig der Faszination bergmännischer Musik.
Zuvor hatte der Schirmherr, Landrat Karl Matko, Traditionen, Kunst und Kultur gewürdigt und durch den Bergbau erworbene menschliche Eigenschaften wie Würde, Stolz und Selbstbewußtsein als auch heute wieder anzustrebende Attribute hervorgehoben. Bergbau gab es und gibt es überall auf der Welt, dessen Musikkultur zu demonstrieren und zu fördern, sei Anliegen der Bergmännischen Musiktage, formulierte Matko.
Nach der Fanfaren-Intrade zur Einleitung war es dann wie in jedem Konzertsaal. Das Einstimmen der Instrumente, das nochmalige Anstimmen für den Gesang und das verebbende Stimmengewirr erwartungsvoller Zuhörer wirkte auf die Mitwirkenden sensitiv und produktiv zugleich.
Hoch oben von der Empore beeindruckte das Schneeberger Musikkorps im gemeinsamen Spiel mit Jens Staudte am Glockenspiel. Die Bronzeglocken des Klangapparates hätten um die Zeitlänge eines Vierteltaktes früher angeschlagen werden müssen, um mit dem Orchester auf dem Lößnitzer Markt musikalische Synchronität zu erreichen. Das war vorbereitet und ausprobiert. Aufgrund der Schlechtwettervariante mußten die üblicherweise vom Turm ins Freie schwebenden Töne über Lautsprecher in die Kirche umgelenkt werden. Daß dies gelang, ist ein Verdienst des Lößnitzers Stefan Günther, der ebensolchen Beifall erhielt wie die anderen Mitwirkenden, das Erzgebirgische Sinfonieorchester, das Erzgebirgsensemble Aue, der Evangeliumschor der Landeslkirchlichen Gemeinschaft und der Kirchenchor St. Johannis.
Verschiedene Genres verbanden die geistliche und weltliche, alte und neuere Bergmusik zu einem emotional bewegenden Klangbild, so das Ritenutokonzertante der Sinfoniker und das Forte furiose der Schneeberger Bläser. Dazu gehören auch die sauber gesungene "Geistliche Bergmusik" des Lößnitzer Kirchenchores und die in der Kirche wie Orgelgedröhn wirkenden Russischen Hörner des Erzgebirgsensembles.
Und schließlich ist solistisch neben Kantor Staudte am Glockenspiel noch der Tenor Karl Böhm mit dem "Lob der Bergleute" in diesem bunten Strauß alter und neuer Bergmusik zu nennen. Wie auch der Evangeliumschor, der gemeinsam mit den Erzgebirgssinfonikern einen jubilierenden und mitreißenden Gruß in der Kantate "Glück-auf, ertönet laut, ihr Jubelgesänge" unter dem Dirigenten Gerhard Günther entbot.
Nach Georg Friedrich Händels Triumphmarsch mit allen Chören und Klangkörpern fand das festliche Programm nach exakt 75minütigem reibungslosem Ablauf mit dem Steigerlied seinen Abschluß.