Barockfest Schwarzenberg 1999
Bericht aus der "Freien Presse" (Ausgabe Aue) vom 29.06.99

Erben schleichen auf hartem Pflaster
Barockfest im Schloßhof: Derber Sachsenhumor löst Tradition der frivolen Zunge ab

Bild Von Lars Rosenkranz

SCHWARZENBERG. Sie hatten es schwer: Dippolds Erben betraten am Samstag auf dem Schwarzenberger Schloßhof ein Pflaster, daß in zwei vorhergehenden Jahren schon von anderen Kollegen der Komödiantenbranche hartgewalzt worden war. Denn die Dresdner Barockkomödianten um Lustgärtner Tom Röder - mit Gräfin Cussel, August dem Schwachen und seinem unnachahmlichen Zeremonienmeister Showtime - sie hatten das Schwarzenberger Barockfest auf ihre Art geprägt, konnten diesmal aber nicht mit von der Partie sein.
So agierte in diesem Jahr die "Erbengemeinschaft" aus Nossen zu Füßen des Bergfriedes, und logischerweise zogen die Stammgäste Vergleiche. Fazit: Das Team um Burgfräulein Mechthild brachte das Publikum auf eine recht amüsante Art in Schwung, heizte die Stimmung bis zum Abschlußfeuerwerk an und sorgte nicht nur für Lacher, sondern allenthalben auch für Bewegung, indem es nämlich den "Pöbel" zum großen höfischen Kreistanz von den Stühlen lotste.
Insgesamt ging es ein bißchen gemäßigter zur Sache. Weniger spitzfrivole Zungen waren angesagt, sondern mehr so der etwas derbe sächsische Humor in allerbreitestem Dialekt. So richtig feudal, mit Perücke und Puderquaste, wurde es sowieso erst zu später Stunde, aber da hatten die meisten Besucher schon richtig abgelacht und nebenher auch ihren Befummelungstrieb gestillt, denn beim offiziellen Gesindetanz mußten erst die Mannsbilder ihre weiblichen Gegenüber um 180 Grad herumwirbeln, und nachher umgekehrt....
Der Schloßhof wurde heuer übrigens vom Hamelner Rattenfänger persönlich von Ungeziefer befreit. Schüler aus Schwarzenberg führten unter musikalischer Oberspielleitung von Rolf Rademann die Kantate vom bekannten Flötenspieler auf, der erst die Ratten vertreibt und wegen des städtischen Spotthonorars dafür dann auch noch den Nachwuchs der Bürgersleut mit sich nimmt. Wer wegen Platzmangel am Samstag die Kantatenpremiere nicht sehen konnte (der Hof war wieder brechend voll), kann am Mittwoch um 9 Uhr die Wiederholung im Rockelmann-Naturtheater erleben.
Ein Klangerlebnis der besonderen Art bescherte, nun ebenfalls schon in gewohnter Manier, das Schwarzenberger Collegium Musicum, das einen Querschnitt französischer Tänze aus der Komponistenfeder Georg Philipp Telemanns intonierte. Und im musikalischen Bereich setzte zu vorgerückter Stunde auch der Chor von St. Georgen einen Höhepunkt mit der Folge von Liedern zum Mitsingen.
Das Schwarzenberger Barockspektakel wurde in diesem Jahr zu Beginn des Festes Alter Musik zelebriert. Heute abend findet in Grünstädtel das Stölzel-Gedenkkonzert in St. Annen statt.