artmontan Magische Faszinationen im Berg
Bericht aus der "Freien Presse" (Ausgabe Aue) vom 21.09.99

Magische Fastzination 180 Meter tief im Berg
"artmontan" präsentiert Außergewöhnliches in den Zinnkammern von Pöhla - Junge Leute sorgen für ausverkauftes Haus

Von Ute Schwichtenberg

PÖHLA. Buschtrommeln, Ballett, Zauberei und Lasershow untertage?- "Das kann man nicht so schnell kopieren", sagte ein Besucher aus den Altbundesländern, der am Sonntag im Besucherbergwerk Pöhla eine Veranstaltung im Rahmen der Kulturtage "artmontan" besuchte. Vier Mal wurden jeweils rund 100 Personen in den Berg gefahren - vier Mal kamen sie knapp drei Stunden später wieder ans Tageslicht, die meisten stark beeindruckt von dem, was ihnen in den Zinnkammern an außergewöhnlichen Aktionen, Licht- und Klangerlebnissen geboten wurde:
"Magische Faszinationen" hatte der Veranstalter, das Landratsamt Aue-Schwarzenberg, versprochen. Bis auf winzige Details gelang es auch, diesem Anspruch gerecht zu werden. Bild aus FP Anfangs erlebten die Besucher eine informative Führung im Bergwerk, wie sie ansonsten üblich ist, nur etwas kürzer. Nach einem gewollt abrupten Wechsel von der neonlichthellen Realität in eine fantastische, nahezu mystische Welt untertage, konnte jeder ganz andere emotionale Eindrücke sammeln. Auf einer spärlich aber effektvoll beleuchteten Strecke, hier und da flankiert von lebendigen Statuen (Auszubildende des Landratsamtes, dünn bekleidet und von Rene Baumann aus Schönheide mit Body Painting verziert), führte hin zur Rampe, am Eingang der Zinnkammern. Weithin hallten unterdessen die Schreie, die Klänge der Trommeln und des Didgeridoos von Dr. Percussion und Alex aus Erfurt, die als "Duo Didgern" auftraten.
Oben an der Rampe ließen zwei junge Damen zu modernen Mambo-Rhythmen, die akustisch die Dunkelheit zu durchbrechen schienen, einen Bergmann aus einem geschlossenen Käfig blitzartig verschwinden - nur sein Helm blieb übrig. In einer größeren Kammer, die sich etwas weiter hinten zu Füßen der Besucher auftat, zeigte eine Chemnitzer Ballettgruppe unter Leitung von Dr. Zimmermann modernen Tanz, der auch durch Licht und Ton hervorragend zum Thema der Performance passte.
Etwas weniger passend wirkte hingegen für einige Zuschauer, wie zum Beispiel Gisa John und Ute Bauer aus Schwarzenberg, die Varieténummer des Berliner Illusionisten Marc Wesseli. Seine Feuerspiele und die technische Meisterleistung, seine Partnerin Katrin mittels einer riesigen Kreissäge zu zerteilen, ohne dass sie dabei wirklich Schaden nahm, konnten zwar das Konzept der Veranstaltung mit abrunden, aber alle anderen althergebrachten Zauber- und Entfesselungstricks vermochten die meisten Zuschauer kaum von den Sitzbänken zu reißen. Ganz anders hingegen die in einer weiteren Kammer hervorragend in Szene gesetzte Laser-Show untermalt mit fantasie- und gefühlsanregender Musik und kurzzeitig auch den Klängen von original Bohrhämmern, die ehemalige Wismut-Kumpel bedienten, und improvisierten Sprengungen. Organisiert hatte die Lasershow Enrico Oswald, Geschäftsführer der Eibenstocker Firma Laser-Datronik, der die grundlegende Idee hatte und später auch die künstlerische Gesamtleitung der Performance übernahm.
"Die wunderbare Symbiose von Musik und Bergwelt hat uns sehr beeindruckt. Schön, dass auch viele Freiräume für die eigene Fantasie gelassen wurden", resümierte Gisa John nach dem Ausfahren mit der "Pöhlaer Metro", wie ihre Kollegin Ute Bauer im Spaß anmerkte. Gemeinsam mit anderen Besuchern nahmen sie noch einen Kaffee bzw. einen kleinen Imbiss, vorbereitet von Mitgliedern des Fördervereins Luchsbachtal, zu sich und tauschten ihre Meinungen aus. Ulrich Beuthner fand zum Beispiel besonders gut, dass waschechte Bergleute ins Programm eingebunden waren und sich engagiert haben. Die Bergführer gehörten zum Ring deutscher Bergingenieure.
Rein technisch war die "Magische Faszination" mit erheblichem Aufwand verbunden. Rund zwei Wochen lang sind etwa mehrere Elektriker damit beschäftigt gewesen, das vorhandene Schutzleitersystem so umzubauen, dass es den Bedürfnissen der verschiedenen Künstler und insbesondere den Erfordernissen der leistungsstarken Laser-Technik entsprach, erfuhr "Freie Presse" von Hauptenergetiker Achim König.
Kulturamtsleiterin Ursula Haarig konstatierte gestern vier ausverkaufte Veranstaltungen, die auch besonders viele junge Leute ansprachen. "Der Zuspruch war so enorm, dass wir leider sogar Leute wieder nach Hause schicken mussten."