artmontan 1999 Markersbach
Bericht aus der "Freien Presse" (Ausgabe Aue) vom 31.05.99

Klangerlebnis in der Kaverne des Pumpspeicherwerkes

Bild Als Vertreter der klassischen Klassik boten die Musiker vom Sinfonieorchester Karlovy Vary beim Auftaktkonzert von "artmontan" in der Kaverne des Pumpspeicherwerkes Markersbach Werke von Brahms und Dvorak. Als musikalischen Gegenpart der "Klassik im Berg" interpretierte Renato Rozic mit Ensemble Werke von Mozart in der Synthese von futuristischen und historischen Instrumenten. Ein filigranes Klangerlebnis der besonderen Güte. Foto: Wolfgang Freund


Bericht aus der "Freien Presse" (Ausgabe Aue) vom 01.06.99

Ein Feuerwerk im Berg
Debütkonzert von "artmontan" offenbaren neue Akzente mit "Klassik im Berg"

Bild Von Beate Matuschek

MARKERSBACH/PÖHLA: Farbige Strahlen durchzucken das Dunkel, brechen sich in der unebenen, steinernen Kuppel des Bergmassivs, die den kleinen See inmitten der Zinnkammern überspannt. Die gehauenen Steinwände lassen die vielfarbigen Laserstrahlen wirken wie immense, bunte Farbwasser, die sich über die steinernen Wände ergießen - ein faszinierendes Feuerwehr im Berg - und die Besucher saßen mittendrin in diesem effektvollen Rausch.
Die sonst üblichen "Böller" eines Feuerwerkes dröhnen aus einer winzigen Ecke der Zinnkammern, an dessen Wand gedrängt ein überdimensional bestücktes Schlagzeug steht. Den jungen Mann dahinter sieht man kaum. Nur sein aschblondes Haar fliegt - angetrieben von den unsagbar flinken und rhythmischen Bewegungen, die Rene Kunze mit Armen und Beinen vollführt, um seinem Instrument schier Unglaubliches zu entlocken. Mit Improvisationen begleitet er die Lasershow am Ende des experimentellen Konzertes, zu dem man im Rahmen der ersten Konzertstaffel von "artmontan" am Sonntag abend in die größten Zinnkammern Europas im Besucherbergwerk Pöhla eingeladen hatte. Ein Spektakel, das aufgrund der großen Resonanz Neugieriger gleich zweimal veranstaltet werden mußte.
"Jazz Sebastian Bach", kredenzt von Renato-Rozic-Concort aus Köln, lockte nicht nur jene, die den Altmeister der Harmonielehre aus klassischer Sicht seit jeher verehren, nein vor allem junge Leute zog es in den Berg zu diesem ungewöhnlichen Konzert. Bild Nichts an diesem Konzert war so, wie man es von anderen kennt. Nicht einmal die Anordnung der Sitzreihen. Und nur, wer Bachs Werke kennt, konnte seine Hauptthemen erkennen. Alles andere war verpackt in Jazz-Improvisationen, die wiederum mit bestechender Brillanz dargeboten wurden. Dabei gerieten einerseits Jazz-Kenner und -liebhaber im Publikum unwillkürlich in swingende Bewegung, andererseits schien dieser Part des experimentellen Konzerts für "unbeleckte" Besucher wiederum zu lang, was sich in steigender Unruhe bemerkbar machte.
Durchbrochen wurden die von Rozic seiner Hi-End-Gitarre entlockten glasklaren Klänge durch eine Präsentation futuristischer Modekreationen, ersonnen von Absolventinnen der Schule für Angewandte Kunst Schneeberg. Leben eingehaucht haben den extravaganten Modellen, die als Berggnome und Edelsteine daherkamen, Amateurmodels, die jenen avantgardistischen Stücken durch ihre Bewegungen zudem den passenden Habitus verliehen. Auch dazu improvisierte Rene Kunze, der gelernte Kfz-Ingenieur, mit seinen Schlagzeugstöcken futuristisch-verhaltene Klänge.
270 Gäste sogen diese ausgefallene "Kunst im Berg" in sich ein. Ausverkauft war auch die Auftaktveranstaltung am Samstag abend in der Kaverne des VEAG-Pumpspeicherwerkes Markersbach, das Klassik im Heute und Morgen gegenüberstellte. Während die Sinfoniker aus Karlsbad die Klassische Interpretationsart vertraten, stand auch dort Renato Rozic mit seiner Art der Mozartinterpretationen für das Klangbild des neuen Jahrtausends. "Klassik im Berg" offenbarte neue Akzente der Kunst.